Die Raketensocken

Tante Cleo war Minas Lieblingstante. Und Professorin für Archäologie. Wenn Tante Cleo nicht gerade an der Universität den Studenten etwas beibrachte, reiste sie in der Weltgeschichte herum. Sie flog in mehr oder weniger ferne Länder, um dort mit einem winzigen Pinsel ganze Dörfer freizulegen, die im Laufe von Jahrhunderten unter vielen Erdschichten verschwunden waren. Manchmal grub sie auch nur ein paar winzige Tonscherben aus, die dann in einem Museum ausgestellt wurden. Ob Dorf oder winzige Tonscherbe, Tante Cleo erzählten die Dinge, die sie auf ihren Grabungen entdeckte, immer eine Geschichte. Und auch Tante Cleo selbst steckte voller Geschichten. Manche waren wahr, andere dachte sie sich aus. Weiterlesen

Bitte keine Ostereier

Trinchen Hase bemalte heute schon das gefühlt 5678ste Osterei. Gelangweilt tauchte sie den Pinsel in die rote Farbe. Punkte oder zur Abwechslung einmal wieder Streifen? Abwechslung! Pfff. Von wegen. Jedes Jahr gegen Ende des Winters war es doch das Gleiche in der Hasenschule. Morgens in aller Frühe wurde eine große Ladung Eier von den Hühnern geliefert und dann hieß es im Kunstunterricht malen, malen, malen. Tupfen, Streifen, Punkte, Kleckse. Rot, grün, gelb, blau. Weiterlesen

Weihnachtshasen

Herr und Frau Hase hatten es sich in ihrem Bau gemütlich gemacht. Während draußen ein eisiger Wind wehte und es einfach nicht aufhören wollte zu schneien, saßen sie bei einem Tässchen Löwenzahntee in ihren Sesseln am Kamin und besprachen schon einmal das Design für die Ostereier im nächsten Frühjahr. „Ich finde ja große rote Punkte sehr schön“, meinte Herr Hase. „Aber die sind viel zu auffällig!“, rief Frau Hase entsetzt. „Eier mit großen roten Punkten finden die Kinder doch sofort im grünen Gras. Da geht der ganze Spaß verloren. Wie wäre es mit zarten gelben Streifen?“ Doch bevor Herr Hase etwas erwidern konnte, ertönte plötzlich ein heftiges Klopfen an der Tür zum Hasenbau. Weiterlesen

Eine Buchstabengeschichte

kleines bEs war ein ruhiger Sonntag im Buchstabenhaus. Das große A saß gemütlich in seinem Ohrensessel und schmökerte in einem Buch. Das kleine q und das kleine r spielten verstecken. Das große O briet ein paar Frühstückseier und das große B lag faul in der Hängematte. Alles war also in schönster Ordnung. Doch plötzlich wurde die Tür zum Wohnzimmer so schwungvoll und lautstark aufgestoßen, dass das große B beinahe aus der Hängematte gepurzelt wäre. Das kleine b kam hereingestürmt und verkündete: „Ich ziehe aus!“ Das große A warf dem kleinen b nur einen missbilligenden Blick über den Rand seiner Lesebrille hinweg zu, schüttelte den Kopf und widmete sich dann wieder seiner Lektüre. Das große B richtete sich – so gut es ging – in seiner Hängematte auf. „W-was?“, stotterte es. „Du hast richtig gehört“, sagte das kleine b. „Ich ziehe aus! Weiterlesen

Die Kitzelmaus

kitzelmaus Mimi seufzte. Wieder einmal waren alle anderen Mäuse schnell davongehuscht, als sie Mimi über den schwarz-weiß gekachelten Küchenboden hatten näher trippeln sehen. Mimi schnappte sich ein Stückchen Brot, das vom Küchentisch gefallen war und rannte so schnell sie konnte aus der Küche hinaus und den Flur hinunter, um in dem winzigen Loch zu verschwinden, das sie zunächst in die Wand und dann nach draußen auf den schmuddeligen Innenhof führte. Dort hockte sie sich in ein dunkles Eckchen und knabberte an ihrer Beute. Doch das Brot wollte ihr nicht recht schmecken. Mimi war traurig. Sie fühlte sich einsam. Weiterlesen