Wie Halloween zum Kürbis kam

Die Legende von Jack und dem Teufel

Jack O’Lantern

Die Legende von Jack und dem Teufel

Habt ihr gewusst, dass der Halloweenkürbis dem Ursprung nach eine Rübe war? In eine ausgehöhlte Rübe wurde eine Kerze gestellt, die in der Nacht des 31. Oktobers an die verlorenen Seelen erinnern sollte. Doch die irischen Einwanderer, die diese Tradition mit in die USA brachten, fanden in ihrer neuen Heimat mehr Kürbisse als Rüben vor und führten so den Brauch in neuer Gestalt fort. Zudem schnitzten sie Fratzen in die Kürbisse, um böse Geister zu verschrecken. Die Halloweenrüben und -kürbisse heißen bis heute nach der Legende ihres Ursprungs Jack O’Lanterns. Und die Legende von Jack O’Lantern soll hier erzählt werden.

In Irland lebte einst ein Bauer namens Jack. Jack war kein guter Mann. Er log und betrog und so war es kaum verwunderlich, dass er die Aufmerksamkeit des Teufels auf sich zog.  

Eines Abends, genauer gesagt am Abend eines 31. Oktobers, saß Jack in einer kleinen Spelunke bei einem Krug Bier. Wie immer saß er allein in seiner Ecke, denn bei den anderen Dorfbewohnern war er nicht wohlgelitten. Unter ihnen gab es kaum einen, den er nicht schon mindestens einmal übers Ohr gehauen oder übervorteilt hätte. Nach einer Weile betrat ein Fremder den Raum. Er war in einen dunklen Mantel gehüllt, die Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen und sein linkes Bein zog er ein wenig nach. Er trat an Jacks Tisch und fragte: “Darf ich mich zu dir setzen, auf einen Krug Bier?” “Mh”, brummte Jack nur. Und der Fremde setzte sich. “Mein Name ist Luzifer. Und ich habe viel von dir gehört”, sprach er. Jack blickte auf und versuchte, dem Mann ins Gesicht zu sehen, doch es blieb im Schatten verborgen. “Du gefällst mir, Jack, deine Seele würde ausgezeichnet in meine Sammlung passen.” Jack erschauderte. Doch bewahrte er einen kühlen Kopf und sprach: “Nun gut, so nimm mich mit. Aber einen letzten Wunsch kann mir wohl nicht einmal der Leibhaftige verwehren. Lade mich doch noch auf einen letzten Krug Bier ein, bevor ich für alle Ewigkeit im Höllenfeuer schmore.” Der Teufel lachte. “Wenn es weiter nichts ist!” Doch hatte der Teufel kein Geld bei sich. So verwandelte er sich selbst in eine Münze, mit der Jack sein letztes Getränk bezahlen sollte. Jack jedoch – verschlagen, wie er war – steckte die Münze in seinen Beutel und in dem Beutel lag ein silbernes Kreuz, so dass der Teufel sich nicht mehr zurückverwandeln konnte. Der Höllenfürst fluchte und zeterte. Aber er konnte nicht aus der Börse entweichen. Jack lachte und schlug schließlich dem Teufel einen Handel vor: “Wenn du mir ein weiteres Jahr auf dieser Erde schenkst, wenn du mich noch ein Jahr in Ruhe lässt, so gebe ich dich frei.” Fluchend gab der Leibhaftige Jack fluchend sein Versprechen und Jack nahm die teuflische Münze aus der Börse. Der Teufel verwandelte sich wieder in seine wahre Gestalt und fuhr zeternd zur Hölle zurück. 

Jack kam sich sehr gerissen vor, weil er den Teufel derart hinters Licht geführt hatte. Doch hatte er es auch mit der Angst bekommen. Jack nahm sich vor, im kommenden Jahr ein redliches und gottesfürchtiges Leben zu führen, um so vielleicht doch noch dem Teufel zu entgehen. Doch ein Jahr ist eine lange Zeit und nachdem er einige Wochen seine guten Vorsätze gehalten hatte, fiel Jack wieder in seine alten, schlechten Gewohnheiten zurück. Und ehe er sich versah, war ein Jahr vergangen und es war wieder der 31. Oktober. Jack lief nervös in seinem Garten auf und ab und überlegte fieberhaft, wie er sich vor dem Teufel verstecken oder was er tun könnte, damit der Leibhaftige seine Seele nicht mitnähme. Und während Jack noch grübelte, gab es plötzlich einem lauten Knall und mit Rauch und Schwefel schoss der Teufel direkt vor Jack aus dem Boden hervor. Diesmal hatte der Leibhaftige sich nicht verhüllt und stand in seiner ganzen furchterregenden Gestalt vor Jack. “Nun denn, Jack”, sprach er, “lass uns gehen. Haben wir doch schon ein gemeinsames Jahr verloren und ich bin sicher, wir werden viel Spaß zusammen haben.” Der Teufel lachte. “Warte!”, rief Jack. “Eine Sache noch, bevor wir aufbrechen. Denn da gibt es etwas, das bereitet mir schon lange Kopfzerbrechen. Etwas, dass ich mich schon immer gefragt habe. Damals, im Garten Eden, hast du doch in Schlangengestalt Eva den Apfel gereicht. Nun, ich habe ja vor einem Jahr gesehen, wie du dich in eine Münze verwandelt hast. Aber in eine Schlange, in solch eine Kreatur zu schlüpfen und einen Apfel von einem Baum zu pflücken, nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Nicht einmal du bringst das zustande. Ich kann es nicht glauben, ehe ich es nicht mit eigenen Augen gesehen habe!” “Ha! Nichts leichter als das!”, erwiderte der Teufel, der sich durchaus in seiner Eitelkeit gekränkt fühlte. “Beweis es mir!”, sagte Jack. “Hier gleich bei meinem schönen alten Apfelbaum.” Ein Knall, Rauch und Schwefel und schon zischelte der Teufel Jack in Schlangengestalt ein “Nun, glaubst du es nun?”, hoch oben vom Baum zu. Da zückte Jack sein Messer und ritzte rasch ein Kreuz in die Rinde des Baumes und so war der Teufel auch dort gefangen. Jack grinste siegesgewiss. “Mein hochverehrter Höllenfürst, ich kann Euch durchaus aus Eurer misslichen Lage befreien und ich werde nicht einmal jemandem von Eurer Dummheit und Leichtgläubigkeit berichten, dafür müsst Ihr mir lediglich hoch und… unheilig versprechen, mich für den Rest meines Lebens in Ruhe zulassen.” “Gut, gut”, zischte der Teufel. “Ich verspreche es.” Jack hob die Schlange vom Baum. Ein Knall, eine Verwandlung, Rauch und Schwefel und der Teufel war wieder im Erdboden verschwunden. Und er hielt sein Versprechen. Jack sollte ihn zu seinen Lebzeiten nie wiedersehen. Als jedoch Jacks Zeit gekommen war und er vor dem Himmeltor stand, so durfte er wegen all seiner bösen Taten und wegen seines Pakts mit dem Teufel nicht eintreten. So fuhr Jack zur Hölle hinab. Doch auch hier wollte ihn der Torwächter nicht einlassen. Denn der Teufel war Jack noch immer böse, weil dieser in ausgetrickst und darüber hinaus nicht wie versprochen Stillschweigen über die Geschichte gewahrt, sondern sich landein, landaus damit gebrüstet hatte, ausgebuffter als der Leibhaftige persönlich zu sein.

Da blieb Jack nichts übrig als für alle Zeiten als ruhelose und verlorene Seele durch die ewige Finsternis zu wandeln. Allerdings steckte ihm ein Diener des Teufels aus Mitleid noch ein Stück glühende Kohle zu, damit Jack im Dunkeln nicht ständig über die eigenen Füße stolperte. Das Kohlestück steckte Jack in eine ausgehöhlte Rübe, um es besser tragen zu können. Seither wandert Jack als Jack O’Lantern mit seiner Rübenlaterne durch die ewige Nacht.