Kindergeschichtenblog Kolumne

Einmal im Monat gibt es auf dem Kindergeschichtenblog etwas nur für die Erwachsenen: In der Elternleben Kolumne geht es ums Eltern sein und Kinder haben.

Eltern in der Trotzphase

Ihr kennt sie sicher alle, diese Momente, in denen Ihr Eure Eltern einfach auf den Mond schießen könntet. Nach etwa zwei Jahren geht es los. Da stellen sie auf einmal fest, dass sie einen eigenen Willen haben und ganz oft andere Dinge wollen als wir. Altmodisch nennt man das Trotzphase. Heute sagen wir lieber Autonomiephase. Und die kann ganz schön anstrengend sein.

Meine Mama steckt ja gerade mittendrin in ihrer Autonomiephase. Da kommen die ganzen Klassiker. Wie neulich an der Supermarktkasse. Ich sitze gemütlich vorne im Einkaufswagen. Die Schlange ist ziemlich lang, aber Mama ist zum Glück gut gelaunt und schneidet fröhlich mit mir Fratzen. Allmählich nähern wir uns auch der netten Frau, die immer die Einkäufe piepsen lässt. Da entdecke ich ein lustiges buntes Ei. Ich hatte schon einmal gesehen, wie mein großer Bruder so eins gegessen hat. Er hat mir auch etwas davon abgegeben. Schmeckte verdammt süß. Und dann war auch noch ein Spielzeug in dem Ei versteckt! Ich meine, wie genial ist das denn? Süß und Spielzeug! Und das liegt hier einfach so herum, man muss es nur nehmen, auf das Band legen, die nette Frau lässt es piepsen und dann kann der Spaß losgehen. Dummerweise komme ich von meinem Platz im Einkaufswagen nicht an das Ei ran. Ich bin also einmal wieder auf Mamas Kooperation angewiesen. Zum Glück sind Eltern ja grundsätzlich kooperationbereit. So setze ich mein niedliches Grinsen auf, strecke meinen Arm aus und mache „Da, da!“,  um Mama höflich zu signalisieren, dass sie das Ei bitte einpacken soll. Aber was macht Mama? Sie schüttelt mit dem Kopf. Also noch einmal: „Da, da!“ Vielleicht hat sie mich ja nicht richtig verstanden. Aber was macht Mama? Sie setzt noch einen obendrauf und sagt einfach „Nein!“ Auch noch ziemlich bestimmend. Ich frage mich, was das soll. Vorhin beim Obst hat es doch schon so gut geklappt. Als ich auf die Bananen gezeigt habe, hat Mama ohne weiteres ein paar davon in den Wagen gelegt. Jedenfalls heißt es jetzt schnell reagieren, denn die Frau an der Kasse fängt schon an, unsere Sachen piepsen zu lassen. Das bedeutet, gleich ist es zu spät, um ein Ei einzupacken. Und ich erinnere euch noch einmal daran: es geht um ein Ei mit Spielzeug darin! Also werde auch ich etwas bestimmter. Mein niedliches Lächeln ist weg. Es müssen härtere Geschütze aufgefahren werden. Ich lehne mich weiter aus dem Wagen“DA! DAAA!“ Und jetzt kommt es. Mama guckt schon etwas sauer. Sie schüttelt trotzig den Kopf. „NEIN!“ Mir reicht’s. Ich kann nicht anders und mache meinem Unmut etwas lauter Luft. Mama bleibt stur. Die Frau an der Kasse sagt irgendetwas und lächelt mich lieb an. Das kann ich jetzt wirklich gar nicht gebrauchen. Warum müssen sich die Leute immer einmischen, wenn man versucht, seine Eltern zu erziehen? Sie sollten lieber vor ihrer eigenen Tür kehren. Mama nutzt natürlich die Gelegenheit, um sich aus der Situation zu ziehen und lächelt zurück, sagt auch etwas. Beide lachen. Das ist doch die Höhe. Die machen sich auch noch über mich lustig!

So kommt es einmal wieder so weit: Ich schimpfe und tobe noch, als Mama mich aus dem Einkaufswagen hebt. Als wir zu Hause sind, habe ich mich etwas beruhigt. Und natürlich war ich nicht gerade stolz auf mich. Immer nehme ich mir vor, in solchen Situationen ruhig zu bleiben. Und dann kriegt sie mich doch wieder so weit… Naja, ich glaube, Mama hat sich auch schlecht gefühlt. Darum durfte sie mich dann auch später wieder auf den Arm nehmen und kuscheln.

Ähnlich ging es neulich beim Mittagessen als ich schon satt war und aus dem restlichen Apfelmus durch geschicktes Verteilen mit den Händen auf dem Tisch ein Kunstwerk machen wollte. Da hättet ihr Mama erleben sollen. Geschimpft und gemeckert hat sie, als ich nicht gleich auf das erste trotzige ‚Nein‘ reagiert habe. Dabei hat sie mich noch wenige Tage zuvor gelobt, als ich das Gleiche mit Farben auf Papier gemacht habe. Ich sage euch, heute so, morgen so! Wirklich anstrengend! Und das Schlimmste: Mit Papa ist es gerade nicht besser. So ist das wohl mit zweien über vierzig.

Und ich bin langsam mit meinem Latein am Ende. Aber wie heißt es so schön: alles nur eine Phase… Mein Mantra.

Und bei Euch, wie geht Ihr mit Eltern in der Trotzphase um? Welche Tipps haben Euch durch die schwierige Zeit geholfen?