Wie der Hase zu den Eiern kam – ein Interview

Spätestens im Supermarkt, wo uns Schokoladeneier in allen Farben des Regenbogens anstrahlen und kulleräugige Schokohäschen uns von den Regalen aus anlächeln, wird es mehr als deutlich: Ostern rückt immer näher. In großen Schritten. Nicht mehr lange und schon lassen muntere Osterhäschen überall in unseren Gärten ihre buntbemalten Eier fallen. Aber – warum eigentlich Osterhasen? Wären Osterhühner nicht viel sinnvoller? Denn was haben Hasen eigentlich mit Eiern zu tun? Diese spannende Frage, die jedes Jahr wieder Kinder und Erwachsene zur Verwirrung bringt, klären wir heute in einem Experten-Interview mit Herrn Hase.

Kindergeschichtenblog: Herr Hase, schön, dass Sie sich Zeit für uns nehmen.

Herr Hase: Aber gerne doch.

Kindergeschichtenblog: Das Osterfest, die Hasen und die Eier – wie passt das eigentlich zusammen? Dieser Frage wollen wir heute mit Ihnen als Experten nachgehen.

Herr Hase: Ein spannendes Thema, das tatsächlich viele Fragen aufwirft und – das muss ich gleich vorwegsagen – noch mehr Antworten parat hat.

Kindergeschichtenblog: Interessant. Wie genau ist denn das zu verstehen?

Herr Hase: Nun ja, wir Hasen sind in zahlreichen Sagen, Legenden und Geschichten vertreten. Wir sind ja auch wirklich sagenhafte Tiere. Wussten Sie zum Beispiel, dass Feldhasen bis zu 70 km/h schnell rennen können? Kein Wunder, dass man die Tempomacher bei Wettrennen auch als Hasen bezeichnet! Aber ich komme vom Thema ab. Muss wohl an meiner Vorliebe für das Hakenschlagen liegen. Also zurück zu Ostern, den Eiern und den Hasen. Es gibt so viele Geschichten und Legenden, die sich um uns Hasen ranken, dass man gar nicht so genau sagen kann, aus welcher sich nun die Sache mit dem Osterhasen und den Eiern entwickelt hat.

Kindergeschichtenblog: Aber das Osterfest ist ja ein christliches Fest – gefeiert wird die Auferstehung Christi. Spielen Hasen denn eine Rolle im christlichen Glauben?

Herr Hase: Allerdings! So soll der Hase früher ein Symbol für Christus gewesen sein. Außerdem galt im frühen Christentum der Hase als Lotse ins Himmelreich. Und das passt ja hervorragend zum Fest der Auferstehung. Manch einer behauptet auch, dass sich in katholischen Familien durch die Fastenzeit ein großer Eiervorrat angehäuft hat. Und um ihren Kindern die Fastenzeit nicht erklären zu müssen, hätten die Protestanten die vielen Eier mit Hilfe des Osterhasen erklärt.

Kindergeschichtenblog: Was aber immer noch nicht erklärt, warum ausgerechnet ein Hase die Eier bringt.

Herr Hase: Das stimmt natürlich. Aber haben Sie gewusst, dass es nicht immer und überall ein Hase war, der zu Ostern die Eier brachte? Bis ins 16. Jahrhundert war in Thüringen ein Storch für die Ostereier zuständig, in Hessen der Fuchs, in der Schweiz der Kuckuck, in Sachsen und Holstein ein Hahn und in Fulda der Palmesel.

Kindergeschichtenblog: Na, da passt der Hahn ja eigentlich am besten.

Herr Hase: Nun ja, andererseits stehen sowohl wir Hasen als auch die Eier symbolisch von jeher für Fruchtbarkeit. Insofern passen wir Langohren und die Eier schon ganz gut zusammen. Zudem war der fünfte Tag der Karwoche, der Gründonnerstag, im Mittelalter der Tag, an dem Bauern ihren Bodenzins an die Grundherren abführen mussten. Gezahlt wurde nicht nur in barer Münze, sondern gerne auch mit Hasen und Eiern – davon hatte man schließlich meist genug. Und dann wäre da ja noch die Geschichte mit der Göttin Ostara…

Kindergeschichtenblog: Ostara? Klingt verdächtig nach Ostern…

Herr Hase: Aber ja. Ostara soll eine germanische Frühlingsgöttin gewesen sein, deren Begleiter ein Hase war und der man zur Frühlingszeit bunt bemalte Eier als Opfergaben darbrachte. Das Frühlingsfest, bei dem Ostara eine Rolle spielte, und das christliche Fest zur Auferstehung Jesus Christus sollen sich im Laufe der Zeit miteinander verwoben haben und der Name Ostern sich von der Göttin Ostara ableiten.

Kindergeschichtenblog: Allerdings weiß man ja gar nicht so genau, ob tatsächlich einmal eine Göttin Namens Ostara verehrt wurde.

Herr Hase: Richtig. Darüber streiten sich noch heute die Gelehrten und jedes Jahr zur Osterzeit wird die Frage erneut heiß diskutiert und aufgewärmt. Tatsächlich hat der den Meisten als Geschichtensammler bekannte Jacob Grimm die Existenz einer solchen Göttin aus alten Quellen lediglich abgeleitet.

Kindergeschichtenblog: Eine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem Zusammenhang von Ostern, dem Hasen und den Eiern gibt es also nicht. Unsere Leser würde aber sicher interessieren, welche von den unterschiedlichen Theorien und Vermutungen zum Thema denn Ihnen die Liebste ist.

Herr Hase: Oh, das ist schwer zu sagen. Ich freue mich einfach, Teil dieses schönen, bunten Festes zu sein. Auch wenn ich sagen muss, dass ich den Verzehr von niedlichen Schokohäschen für mehr als fragwürdig halte.

Kindergeschichtenblog: Herr Hase, noch eine letzte Frage – denken Sie, wir können dieses Jahr die Eier im Garten suchen oder müssten Sie dann die Nester im Schnee verstecken?

Herr Hase: Sehe ich etwa aus wie ein Wetterfrosch? Wenn Sie wissen wollen, ob es dieses Jahr zu Ostern warm ist oder schneit, dann hören Sie sich doch bitte am nächstbesten Teich um!

Kindergeschichtenblog: Keine schlechte Idee. Dann bedanke ich mich an dieser Stelle für das Interview und wünsche noch fröhliches Eier bemalen!

© Michaela Groß