Buchtipp – Der Drache hinter dem Spiegel

der-drache-hinter-dem-spiegelDer Kindergeschichtenblog Buchtipp

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

„Seid auf der Hut, ihr Kinder“

Wir schreiben das Jahr 1910, ein Jahr, das im Schatten des nur alle 76 Jahre erscheinenden Halleyschen-Kometen steht. Doch die fünf Geschwister Florence, Herbert, William, Bernadette und Diana haben ganz andere, recht irdische Sorgen. Ihr Vater ist schwer krank und die Mutter weiß nicht, wie sie die Familie, die ohnehin von der Hand im Munde lebt, alleine durchbringen soll. So müssen die Kinder das vertraute London mit seinen Docks verlassen und nach Schottland reisen, wo der ihnen unbekannte Großvater sich um sie kümmern soll.

In Schottland angekommen, geraten die Kinder in eine Welt voll Zauber und Magie. Denn der Großvater ist nicht einfach ein netter greiser Mann, der sich um seine Enkel sorgt. Er entpuppt sich als Zauberer, der den Kindern jeden Wunsch erfüllt und in einem geheimnisvollen Schloss lebt.

Doch bei all dem Großartigen, was den Kindern wiederfährt, bleibt vor allem der ängstliche William misstrauisch. Kann man diesem seltsamen Mann wirklich trauen? Warum lebt dieser so freundlich wirkende Alte schon seit Jahren im Streit mit den Eltern? Das Misstrauen verstärkt sich, als William in den Gewölben des Zauberschlosses eine ungewöhnliche Entdeckung macht. Dort haust –hinter einen Spiegel gebannt –  ein Drache. Und der erzählt eine ganz andere Geschichte über den vermeintlich netten Großvater. Nun ist es an den fünf Geschwistern, herauszufinden, wem sie trauen können. Und irgendwie hat wohl auch der Halleysche Komet mit all dem zu tun… Weiterlesen

Und noch eine Weihnachtsgeschichte oder – Herr Schmidt

Lara war eiweihnachtsbaumn besonderes Mädchen. Ihre Besonderheit zeigte sich jedoch nicht in einem grünen Haarschopf oder darin, dass sie die Zahl Pi von der 1000sten Nachkommastelle an rückwärts aufsagen konnte. Lara war auch nicht besonders groß oder besonders klein, besonders gut oder besonders schlecht in der Schule. Das Außergewöhnliche an ihr war ganz schlicht und einfach, dass sie wohl das einzige Kind in der näheren und weiteren Umgebung war, das Weihnachten nicht mochte. Dabei hasste sie Weihnachten nicht so wie der Grinch, sie hätte nur einfach gut und gerne darauf verzichten können. Zum einen langweilte Lara sich an den Feiertagen schnell. Da musste sie die ganzen Weihnachtstage ohne ihre Freunde mit ihrer Familie verbringen. Dabei verzog sich ihr großer Bruder die meiste Zeit in seinem Zimmer, hörte laut Musik oder telefonierte mit seiner Freundin und ihre Eltern – die stritten meist vom Aufstellen des Weihnachtsbaums bis alle zusammen am zweiten Feiertag die Großeltern besuchten und man sich Mühe gab, wieder einen fröhlichen Eindruck zu machen. Der einzige Wunsch, den Lara jedes Jahr auf ihrem Wunschzettel notierte – ein Hund – ging ohnehin niemals in Erfüllung, da ihre Eltern strikt gegen Haustiere waren. Und dann musste Lara alle Jahre wieder mit ihrem Kinderchor und der Ballettgruppe zahllose Auftritte in den Altenheimen und Seniorenresidenzen der Stadt absolvieren um dort die alten Herrschaften zu unterhalten. Lara fragte sich, ob das für die Alten wirklich so unterhaltsam war, wenn ein Haufen Kinder schief sang und durcheinandertanzte. Weiterlesen

Yuki-onna – die Schneefrau

Yuki-onna ist eine bekannte Gestalt aus der japanischen Mythologie. Sie tritt als Göttin des Winters oder auch als Dämonin des Schnees in Erscheinung. Auf Bildern wird sie als schöne Frau mit langem Haar und ganz in weiß gekleidet dargestellt. Sie schbwebt über den Schnee, ohne Fußabdrücke zu hinterlassen. Yuki-onna ist den Menschen meist nicht wohl gesonnen, zeigt aber hin und wieder auch ihre sanfte Seite. Viele unheimliche Geschichten ranken sich um die Schneefrau. Eine davon, sei hier nacherzählt:

In einem kleinen Dorf hoch im Norden Japans lebten einst zwei Holzfäller. Sie waren Vater und Sohn. Der Alte trug den Namen Masako und der Junge wurde von allen Akio genannt. Sie gingen stets zu zweit in den Wald und das an jedem Tag des Jahres –  im Sommer ebenso wie im Winter. Um in den Wald zu gelangen mussten sie einen Fluss überqueren, über den jedoch keine Brücke, sondern nur eine Fähre führte. Den alten Fährmann Son-Goku kannten sie gut, er hatte sie schon über den Fluss gefahren, als Akio noch ein kleiner Junge und keine große Hilfe beim Holzfällen gewesen war. An einem Wintertag, kurz vor Akios 20. Geburtstag, wollten die beiden nun wieder in den Wald hinaus. Es war ein besonders kalter Winter in diesem Jahr und an diesem Tag war der Himmel so von grauen Wolken behangen, dass es gar nicht richtig hell werden wollte. „Müsst ihr denn auch heute hinaus in die Kälte?“, fragte Kaede, Masakos Ehefrau und Akios Mutter besorgt. „Ich bin sicher, es wird noch sehr heftig schneien, ich spüre es in allen Knochen!“ „Ich würde ja auch lieber am warmen Feuer sitzen bleiben“, entgegnete Masako. „Doch kommt morgen Nishikaze aus dem Nachbardorf, um eine große Ladung Holz zu holen und wir brauchen das Geld.“ So zogen Vater und Sohn ihre wärmsten Mäntel an, wickelten sich dicke wollene Schals um Hals, Mund und Nase, zogen sich ihre Mützen tief über die Ohren und machten sich auf den Weg. Es war so kalt, dass bereits kleine Eisschollen den Fluss hinuntertrieben und der alte Fährmann rief ihnen entgegen: „Seid ihr sicher, dass ich euch heute übersetzen soll? Es wird noch viel kälter werden und sicher noch ordentlich schneien. Ich fühle es in allen Knochen!“ „Doch, doch!“, rief ihm Akio zu. “Bring uns hinüber. Morgen kommt Nishikaze aus dem Nachbardorf, um eine große Ladung Holz zu holen und wir brauchen das Geld!“ Und so brachte der Fährmann die beiden Männer sicher über das Gewässer. Weiterlesen

Piraten brauchen keinen Schlaf

der_kleine_pirat-jpeg_editedEs war das erste Mal, dass der kleine Pirat mit den großen Piraten auf Kaperfahrt gehen durfte. Er war schon Tage vorher schrecklich aufgeregt. Doch hatte er sich gut vorbereitet: Er hatte lange geübt laut zu fluchen, möglichst weit auszuspucken, gewaschen hatte er sich schon seit Wochen nicht mehr und er kannte schon ein halbes Dutzend Piratenlieder auswendig. Bevor es schließlich an Bord ging, setzte er sich den schwarzen Piratenhut auf den Kopf, den ihm seine Oma zum letzten Geburtstag geschenkt hatte. Liebevoll hatte die alte Dame einen grauseligen Totenkopf und gekreuzte Knochen auf den dicken Filz gestickt. Noch einmal murmelte der kleine Pirat leise „Steuerbord – rechts, Backbord links, Steuerbord – rechts, Backbord – links“ vor sich hin. Dann schwang er sich seinen Seesack über die Schulter und ging zum Hafen. Weiterlesen

Buchtipp: Ein Weihnachtsgeschenk für Walter

ein-weihnachtsgeschenk-fuer-walterDer Kindergeschichtenbuchtipp

Ein Weihnachtsgeschenk für Walter von Barbara Wersba

„Ich bin Walter. Ich lebe auch hier.“

Mit dem sympathischen Protagonisten Walter bekommt der Begriff „Leseratte“ eine ganz neue Dimension. Walter ist die wohl belesenste und kultivierteste Ratte, die man je kennenlernen durfte. Kein Wunder, dass er sich nach seinem Lieblingsdichter Sir Walter Scott benannt hat. Weiterlesen

Der Trollstein

Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal gehört habt, dass Trolle ausgesprochen wasserscheue Wesen sind. Dafür gibt es einen guten Grund, denn wenn ein Troll mit einer größeren Menge Wasser in Berührung kommt, erstarrt er kurzerhand zu Stein. Ihr solltet euch also nicht wundern, wenn rumpihr nach einem heftigen Regenschauer einen Waldspaziergang macht, euch für eine kleine Rast auf einen dicken Stein setzt und sich dieser plötzlich unter euch davon macht und ihr euch im Gras liegend wiederfindet. Ihr könnt euch vorstellen, dass so etwas für die Trolle sehr lästig ist. Ein kleiner Nieselregen ist noch nicht so schlimm, aber bei einem ordentlichen Herbstregen bleiben sie doch lieber in ihren Höhlen, zünden sich ein wärmendes Feuerchen an und erzählen Geschichten. Eine dieser Geschichten ist bei den kleinen neugierigen Trollkindern besonders beliebt, denn sie handelt von einem ebensolchen neugierigen kleinen Trollkind. Und diese Geschichte will ich euch nun erzählen, denn ich habe mir sagen lassen, dass auch Menschenkinder an trüben Regentagen gerne in ihren Häuserhöhlen bleiben und Geschichten hören. Weiterlesen

Die Kitzelmaus

kitzelmaus Mimi seufzte. Wieder einmal waren alle anderen Mäuse schnell davongehuscht, als sie Mimi über den schwarz-weiß gekachelten Küchenboden hatten näher trippeln sehen. Mimi schnappte sich ein Stückchen Brot, das vom Küchentisch gefallen war und rannte so schnell sie konnte aus der Küche hinaus und den Flur hinunter, um in dem winzigen Loch zu verschwinden, das sie zunächst in die Wand und dann nach draußen auf den schmuddeligen Innenhof führte. Dort hockte sie sich in ein dunkles Eckchen und knabberte an ihrer Beute. Doch das Brot wollte ihr nicht recht schmecken. Mimi war traurig. Sie fühlte sich einsam. Weiterlesen